Donnerstag, 22. Februar 2018

Erziehung könnte so einfach sein, ohne...! - Teil 2

Juhu, heute geht meine Beitragsreihe "Erziehung könnte so einfach sein, ohne...!" in die zweite Runde. Vielen Dank, liebe Anna und Janina für euren wirklich erfrischenden Beitrag. Sie erzählen von ihren Erlebnissen mit selbsternannten Erziehungsexperten. Aber lest selbst...


Hallöchen,



Wir, das sind Anna und Janina vom kreativen Familienblog rabenkindundlausebengel freuen uns an der Reihe "Erziehung wäre so einfach, ohne...!" der lieben Britta teilhaben zu dürfen. Wir haben uns entschieden unseren Beitrag unter das Thema "Erziehung wäre so einfach, ohne ungefragten Rat" zu stellen.

Denn das kennt doch mit Sicherheit jeder, oder?!
Ob Familie, Freunde oder Fremde - jeder weiß am besten, wie man ein Kind zu erziehen hat.
(Kinderlose Menschen natürlich erst recht - ist klar...)
Natürlich sind wir nicht das Non plus Ultra -  auch nicht die Erziehungsexperten schlechthin und auch wir beide haben oft unterschiedliche Ansichten was Erziehung angeht - und das ist auch gut so! 
Auch durch einander haben wir gelernt, dass jeder anders ist, jeder anders erzieht und das mit Recht, denn jeder Charakter, Vorerfahrungen, äußere Gegebenheiten sind anders. Auch bei Kindern. Und wir alle - als Experten unserer Kinder - wissen nunmal am besten, in was für einer Phase der kleine Satansbraten gerade steckt, wie die letzten Stunden, Tage, Wochen verlaufen sind - was es braucht und mag. In diesem Sinne appellieren wir an alle: Leben und Leben lassen!

Jede von uns hat da ihre ganz eigenen Erfahrungen gemacht, wir fangen mal mit Annas Erlebnissen an:

Gerne erinnere ich mich an den Tag: Wir saßen in großer Gruppe mit Bekannten zusammen, der kleine Rabe schlief in seinem Zimmer, das Babyfon stand auf dem Tisch - leuchtete kurz - und ein Gesprächsthema war geboren. „Also früher sind wir ja ohne diesen Überwachungsquatsch ausgekommen“ - kam es da aus irgendeinem Mund. „Ihr müsst nicht so übervorsichtig sein, das Kind kommt auch ein paar Stunden ohne euch aus“ - meinte jemand anderes. „Naja solange man den Kindern nicht per Kamera nachspioniert…“ - ging es weiter. Ich tippte mir gedanklich an die Nase - Ups… Babyfon mit Kamerafunktion konnte ich also von der nächsten Wunschliste streichen. Mein Mann und ich hätten es interessant gefunden zu sehen, was der kleine Rabe so treibt, wenn er seine Geräusche von sich gibt. Aber gut, als stillende NSA-Mitarbeiterin wollte ich dann doch nicht gelten. Wo sollte das dann noch hinführen? Kameraüberwachung im Kinderzimmer, der GPS-Chip unter der Haut im Grundschulalter und bis das Rabenkind auf die Weiterführende Schule geht sind private Überwachungssatelliten bestimmt schon erschwinglich geworden - ob ich da frühzeitig investieren sollte? Die Idee könnte ich mal Elon Musk oder der NASA vorstellen… Als ich mich gedanklich wieder in die Unterhaltung einklinkte, war die Gruppe ohne mein Zutun schon beim Thema Helikoptereltern angekommen - wenn ich schon einer Unterhaltung nicht folgen kann, wie soll ich denn dann mein Kind überwachen? Naja vielleicht kommt das Rabenkind ja auch ohne NSA-Mutter aus.



Das nächste Beispiel ist ein alter Klassiker - so oder so ähnlich bestimmt den meisten schonmal passiert. Die Bühne: Supermarktkasse. Die Akteure: schreiendes Kind, genervtes Elternteil und (am wichtigsten) vollkommen Unbekannter in der Reihe hinter einem. Wer hätte es gedacht: Kinder werden irgendwann richtig clever. So merken sie ab einem gewissen Alter, wann sich „eine Szene machen“ mit größter Wahrscheinlichkeit lohnt - nämlich an der Supermarktkasse. Der Einkauf mit Kind nähert sich dem Ende, man hat schon 1000 mal „Nein die Schokolade kommt nicht mit“ gesagt und sehnt sich danach Zuhause endlich das versteckte Stück Schokolade aus dem Kühlschrank zu essen - Sorry Rabenkind. Und dann geht natürlich das große Geschrei los - letzte Chance, vielleicht doch noch was leckeres zu bekommen. Die Nerven liegen also blank, alle Umstehenden bemühen sich nicht genervt oder mitleidig auf dein am Boden liegendes Kind zu gucken - und du bleibst (meist) standhaft. Da kommt dann das „Jetzt kaufen Sie dem Kleinen doch die Schokolade“ genau richtig. Danke, du erzieherisch erfahrender Mittdreißiger, der sich um zwei Uhr Nachmittags an einem Mittwoch zwei Flaschen Bier und ein Fertiggericht kauft - ich weiß deinen fundierten Rat wirklich zu schätzen. Mental ohrfeigend und real ignorierend wird dann schnell gezahlt, damit aus Fantasie nicht doch noch Wirklichkeit wird. Die Schokolade Zuhause habe ich mir dann wirklich verdient - für den kleinen Raben gab es Haferkekse, guter Kompromiss.

Genau so scheine ich ein anderes Temperaturempfinden zu haben als "die Leute".
(Und das obwohl ich so eine Frierhippe bin)
Wie oft habe ich zu hören bekommen "Mein Gott, warum hat das arme Kind denn keine Mütze auf?" Oder auch gerne direkt an den kleinen Raben gerichtet "Na du kleiner Mann, oh dir ist bestimmt ganz kalt, oder? Sag mal der Mama, sie soll dir eine Jacke anziehen!"
Was kann man da anderen tun als die Augen verdrehen? Und wenn man sich dann beeinflussen lässt, die Mütze aufsetzt und weitergeht, kommt mit Sicherheit an der nächsten Straßenecke die nächste umsichtige Rentnerin, die es kaum glauben kann, dass das arme Kind eine Mütze auf hat. "Das ist doch viel zu warm!" Also richtig angezogen ist das Kind grundsätzlich einfach nicht. Da machtse nix :-D

Auch Janina wurde natürlich nicht von den allseits aufmerksamen und jederzeit presenten Besserwissern verschont:

„Nun lass ihn doch mal ein Stück Schokolade essen!“

„Ein Gummibärchen schadet ihm ja wohl nicht!“

„Wir haben früher auch direkt alles gegessen und uns hat es auch nicht geschadet!“

Na, wer kennts? Sobald die Kleinen auf der Welt sind, sollen sie nach der Meinung von manchen Personen am besten direkt Kakaopulver in die Milch bekommen und Nutella auf den Schnuller.
(Vielleicht direkt nochmal in Rum tunken oder die Ätherbäuschchen raus holen – dann ist wenigstens Ruhe.)
Wir haben es so gehalten, dass es für unsere Rabauken im ersten Lebensjahr überhaupt keinen industriellen Zucker gab. Ja, wirklich gar keinen. Kein Körnchen. Wir haben uns damit am wohlsten gefühlt und wussten, dass sie schon noch früh genug mit allem möglichen Süßkram in Kontakt kommen würden.
(Und oh mein Gott – das sind sie mittlerweile – zur Genüge und oft auch selbst verschuldet. Im Amt? Beim Arzt? Zwei Minuten Ruhe? Was gibt es besseres als Schokolade? :D #rabenmamadeluxe)
Dieses jedoch durchzusetzen, war nicht immer leicht, da es ja jeder scheinbar besser wusste. Doch nicht nur auf Zucker haben unsere Babys verzichten müssen, auch Salz gab es für uns in diesem Alter noch nicht, ebenso wie Honig oder Nüsse.
Gott, die Armen! Durften die überhaupt noch was essen? Manchmal wurden wir dafür hingestellt, wie die extremsten Frutarier oder Freeganer (googelt es, die gibt es wirklich! :-D ).
Für uns war es überhaupt keine Einschränkung, es gibt ja noch so viele andere, gesündere Nahrungsmittel. Aber wenn dann die Oma, die hinter einem an der Kasse steht, dem 9 Monate alten Baby einen Schoko-Weihnachtsmann auspackt und ihm selig lächelnd in die Patschehände drückt, gehört schon etwas dazu, standhaft zu bleiben.
(und freundlich – denn am liebsten würde man ihr ihre Schokolade um die Ohren hauen!)
Und da braucht man ja auch nicht hoffen, in irgendeiner Form auf Verständnis zu stoßen. Da ist eher vom Kopfschütteln über Augenverdrehen bis hin zu blöden Kommentaren alles dabei. Wisst ihr, was Janina irgendwann einfach gemacht hat? Mit einem ganz einfachen Satz war direkt Ruhe. „Nein Danke, er ist leider allergisch!“ :-D Der Lausebengel war dann einfach mal gegen alles allergisch, was sie ihm noch nicht geben wollte und da gaben sich die „Leute“ auch viel einfacher mit zufrieden. Also merkt euch diesen Supertipp, falls ihr auch in diese Situationen geratet in denen euren Mäusen ungefragt Gummibärchen in den zahnlosen Mund geschoben werden.


Wir wünschen euch starke Nerven und ein gutes Durchhaltevermögen!
Oder manchmal auch einfach genug Schwung beim Ausholen :-D

Eure Anna und Janina



 

Kommentare:

  1. ach wie cool, dass du hier auch immer wieder andere Mama zu Wort kommen lässt! das macht das ganze so interaktiv :)

    finde ich richtig klasse!

    komm gut ins Wochenende und liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von www.liebewasist.com

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  2. Kein Zucker und kein Salz finde ich super! Und wieso hat der Herr am der Kasse nicht die Schokolade gekauft? 😉

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  3. Oh ja, als Mama braucht man sehr starke nerven. Ich habe mit der Zeit festgestellt, man es auch den Leuten im Umfeld nicht recht machen, geht man wieder Vollzeit arbeiten, dann heißt es wie kannst du nur dein Kind so lange alleine lassen, geht man nicht arbeiten heißt es man ist faul und wenn man Teilzeit arbeiten geht heißt es, hast du es gut, du hast den nachmittag frei. Mit der Zeit habe ich gelernt mir nichts auf das geschwätz der anderen zu geben.
    Und ein Babyphone mit Kamera ist toll :-)

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  4. Hey du.
    Wichtig ist: Das es für uns als Familie richtig ist. Auf anderer ihrer Meinungen kann ich getrost verzichten.

    Liebste Grüße,
    Sandra.

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  5. Ein toller Beitrag.
    Recht können wir es nie jemanden und ich kenn das auch nur zu gut. Ich kann dazu nur sagen, wenn ich es mit reinem Gewissen gut finde, dann ist es auch in Ordnung. Wenn die eigene Familie damit gut klar kommt, dann ist doch alles in Ordnung.

    Liebe Grüße,
    Mo

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  6. Sehr schöner Beitrag, allerdings habe ich etwas Probleme den Text gut zu lesen, da der zweifarbige Hintergrund gewöhnungsbedürftig ist.
    Liebe Grüße
    Anja von Castlemaker.de

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  7. Sehr interessant es durchzulesen! Solche Einblicke finde ich immer sehr spannend. Schöner Beitrag! :)

    Liebe Grüße
    Lisa

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  8. Hey,

    ich mag es, wenn man such andere Meinungen auf einem Blog lesen kann :-)

    Der Beitrag gefällt mir super und ich hasse es, wenn andere sich einmischen müssen.

    Lg
    Steffi

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  9. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  10. Liebe Britta,
    vielen Dank für dein langes Kommentar bei mir, ich habe mich sehr gefreut. Vor allem aber auch über deine Worte. Ja, dass war auch wirklich zu 100% ehrlich gemeint und Zeit ist einfach so eine Sache manchmal. Es gibt gute Tage, da können sich meine Kinder gut alleine beschäftigen, da kann ich mich auch mal für 15 Minuten zurücklehnen mit meinem Lieblingskaffee oder wie heute mal ein paar Kommentare beantworten und das ohne schlechtes Gewissen. Für mich ist das das Kräftesammeln zwischendurch, denn vier Kinder verlangen einem eben viel ab. Selbst eines hat es schon getan und es gibt eben gute aber auch schlechte Tage und die gehören dazu. Dieses High-Need-Kind habe ich hier auch Zuhause, ganz frei von dem Kleinsten der einen sowieso mehr braucht. Das zerrt ordentlich an den Nerven, Luft holen isr da schwer, zum Glück atmet unser Körper selbstständig. Sonst wäre ich wahrscheinlich schon längst nach hinten gekippt. Lach.
    Liebste Grüße,
    Sandra.

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  11. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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