Donnerstag, 8. Februar 2018

Das Ende einer Ära - Rückblick auf zwei Jahre Elternzeit

Wenn ich so darüber nachdenke, dass meine zwei Jahre Elternzeit heute enden, bin ich fassungslos. Ich kann einfach nicht verstehen, wo die Zeit geblieben ist? War es nicht erst gestern gewesen, als ich das winzigkleine Äffchen zum ersten Mal im Arm hielt? Als ich sie ansah und wusste, jetzt bin ich ihr gänzlich verfallen? Ist es nicht erst einen Wimpernschlag her, dass ich ihr versprach, immer für sie da zu sein, sie mit meinem Leben zu beschützen und nie mehr loszulassen? Ihr erstes Lächeln, die ersten Robb-Versuche, die ersten Schritte und Wörter. Ist es wirklich schon so lange her? Der erste Geburtstag, und auch der Zweite. Sind sie wirklich schon gewesen? Oder habe ich das nur geträumt?

Die Wahrheit ist: Auch wenn es mir so kurz vorkommt, die zwei Jahre sind um. Und ich möchte keine Sekunde davon missen. Auch wenn es nicht immer einfach war. Auch wenn mein Äffchen ein unheimlich forderndes Baby und Kind war und ist. Heute würde man sie wahrscheinlich als High-Need-Baby/-Kind bezeichnen. Davon hörte ich aber erst vor Kurzem zum ersten Mal. 

Aber nun mal von Vorne. Was ist während der Elternzeit alles passiert?

Natürlich ging es mit der Geburt unserer Tochter los. Welche zu früh und viel zu schnell von Statten ging. Plötzlich waren wir Eltern eines Frühchens und ich schlitterte unverhofft schnell in die neue Rolle als Mutter. Das Äffchen purzelte einfach in unser Leben und so rasant, wie die Blitzgeburt war, genauso turbulent ging es direkt weiter. Nach den ersten Strapazen, Unsicherheiten und Ängsten, die das Äffchen glücklicherweise noch überwiegend verschlief, beruhigte ich mich zwar langsam wieder. 

Aber dann ging es bei ihr los mit der Unruhe: 

Drei-Monats-Koliken (die mindestens 6 Monate andauerten) 

Abendliches Schreien

Viel, viel Tragen (ohne Tragetuch ging nix)

Schlafen auf und über uns, kein Ablegen möglich!

Körperkontakt, Nähe und wieder Körperkontakt 

Stillen, Stillen und Stillen (habe ich eigentlich in den ersten Monaten auch noch was anderes gemacht? Wegen der Stilldemenz kann ich mich nicht mehr erinnern...)


Es ging richtig rund. Ratlosigkeit und Unsicherheit waren am Anfang meine ständigen Begleiter.

Doch je mehr ich mich darauf einließ und die Situation annahm und begriff, dass ich nicht ständig etwas ändern muss, desto besser wurde es. Ich merkte, dass ich die (hohen) Bedürfnisse des Äffchens als Teil von ihr annehmen musste. Sie brauchte eben (mehr) Nähe, (mehr) Körperkontakt, (mehr) Brust. Ihre Antennen waren nunmal IMMER auf vollem Empfang, zu jeder Tages- und Nachtzeit (ist im Übrigen immer noch so). Ihr fiel und fällt es schwer abzuschalten und sich selbst zu regulieren. Sie braucht(e) eben Einschlafbegleitung abends und nachts auch wieder. Und sie braucht eben insgesamt wenig Schlaf. Natürlich war das ein Prozess und alles andere als einfach. Ich dachte immer, ich müsste sämtliche Situationen verändern, damit es IHR damit besser ginge. Dabei merkte ich erst spät, dass es ihr super ging und ich die Situationen ändern wollte, damit ICH mein Gewissen oder meine Sorgen hätte beruhigen können. Nach gut zwei Jahren bin ich aber nun so weit, das alles sehr gelassen zu sehen, besonders die Sache mit dem Schlaf. Wie ich damit umgehe und meine Tipps für mehr Gelassenheit, könnt ihr hier nachlesen.

Doch natürlich habe ich auch diese Zeit besonders genossen. Das viele Kuscheln, dieses duftende Baby! Ich war trotzdem von Anfang an glückselig!

Auch bei uns spielte sich nach und nach alles super ein und wir wurden ein tolles Team. Mein Mann war um Äffchens Geburt gesundheitlich bedingt mehrere Monate zu Hause. So hatten wir Glück im Unglück und auch die beiden hatten anfangs viel Zeit zum Kennenlernen und um eine feste Bindung zu knüpfen. 

Das Äffchen wurde immer neugieriger, wacher und fing an die Umwelt wahrzunehmen. Wir begannen, mehr zu unternehmen, überall war die Kleine dabei! 


Sie fing an den ersten Brei buchstäblich zu verschlingen, was sie allerdings nicht davon abhielt noch weiter mit Begeisterung zu stillen, bis sie 13 Monate alt war. Wir hatten eine wundervolle Stillbeziehung und ich hätte es ihr auch noch länger gegönnt, aber sie hat entschieden, wann Schluss ist. Was will man mehr?

Auch wenn ich vorhin von High-Need-Baby gesprochen habe, so hat sie sich doch auch sehr oft und lange selbst beschäftigt. Was war ich stolz, als das Äffchen dann anfing zu robben und kurze Zeit später auch schon zu sitzen, zu krabbeln und sich hochzuziehen. Dann war natürlich nichts mehr sicher. Sie hat schon von Anfang an einen enormen Entdeckerdrang. Und was gibt es Schöneres, als Regale auszuräumen und Chaos zu verursachen?



Liebe und Stolz sind auch zwei Gefühle, die seit der Geburt des Äffchens und somit im Verlauf der Elternzeit eine ganz neue Dimension erreicht haben. Ich kannte ja die Liebe zu meinem Mann und dachte, ich könnte nie jemanden genauso oder gar mehr lieben. Mehr Lieben ist sowieso falsch ausgedrückt. Die Mutterliebe ist einfach eine ganz ANDERE Liebe. Sie kommt von ganz innen, aus tiefstem Herzen und erwärmt jede einzelne Pore, jede einzelne Haarspitze und den kleinsten Zeh täglich mehrmals. Und jedes Mal überrollt und übermannt sie mich aufs Neue. Plötzlich war mir nichts anderes mehr wichtig, als meine kleine Familie. Es gilt sie zu behüten und zu bewahren, ihr Wohlbefinden ist das höchste Gut. Unglaublich, wie sich die Prioritäten ab der Geburt und während der Elternzeit verschoben haben. War vorher vielleicht wichtig, viel wegzugehen, rauszugehen, "etwas zu erleben", zu reisen etc., so ist jetzt Zeit mit der Familie das Kostbarste! Zusammensein, sich genießen, kuscheln, miteinander lachen, füreinander da sein. Das heißt natürlich nicht, dass wir uns jetzt zu Hause verbarrikadieren und es nicht auch mal genießen, etwas zu unternehmen. Aber eben dann auch mit dem Äffchen, denn sie gehört dazu. Und wenn es sich mal ohne Äffchen ergibt, dann genießen wir auch das mal in vollen Zügen. Um dann hinterher aber auch wieder ganz für sie und uns da zu sein. 

Und schwupp, feierten wir schon den ihren ersten Geburtstag. Dieser war für mich geprägt von Erinnerungen an die Geburt und die Zeit davor und danach. Wir hatten ja Einiges erlebt. Ich hatte mir den ersten Geburtstag total spektakulär vorgestellt, die ersten Geschenke usw. Wie das eben immer so ist, hat sich das Äffchen vorwiegend für das Geschenkpapier interessiert und die Geschenke erstmal weniger beachtet. In weiser Voraussicht haben wir ihr auch nur wenige kleine Geschenke gemacht, um Überforderung möglichst zu vermeiden. Weihnachten folgte auch zugleich und wir hatten ein schönes Fest im Kreise der Familie. Der Gedanke, dass es das erste Weihnachten war, an dem ein neues Familienmitglied mit dabei war, hat mich sehr berührt. Eine neue Generation ist dazu gekommen. So hatten wir vom Äffchen bis zu ihrem Uropa alle unter einem Weihnachtsbaum versammelt. Ihr erstes Lebensjahr klang dann mit einem gemütlichen Kurzurlaub im Harz aus. 

Doch auch das zweite Jahr verging wie im Fluge. Sie lernte dann bald zu laufen.
Und war seither nur noch auf Achse! So schnell konnte ich nicht schauen, war sie schon wieder von A nach B gesaust. Sie liebte es, sich endlich wie die Großen fortbewegen zu können und ließ keine Gelegenheit aus. Sie wurde noch mutiger und fing an überall reinzukrabbeln oder draufzuklettern (so entstand dann auch letztlich der Spitzname "Äffchen").


Die Suche nach einer KiTa ging los, denn damit kann man ja nicht früh genug anfangen. Auch hier hatten wir bald eine wunderbar kleine, sehr familiäre und herzliche KiTa gefunden.

Unsere Ausflüge weiteten sich aus, so waren wir beispielsweise im Tropenaquarium und im Miniaturwunderland.



Auch unser erster Familien- Urlaub am Gardasee war wunderschön und erholsam. 

Ganz besonders viel Spaß hat es dann gemacht, mit dem Äffchen draußen die Welt zu erkunden, als sie laufen konnte und nicht mehr nur ausschließlich im Kinderwagen saß. Und das in den unterschiedlichen Jahreszeiten. Alles nochmal durch Kinderaugen zu sehen. Im Frühling an Frühlingsblumen schnuppern und die ersten Sonnenstrahlen zu spüren. Im Sommer die ersten Sandkuchen backen, den Hund (aus sicherer Entfernung) beobachten und verschiedene Spielplätze unsicher machen. Und im Herbst durch tiefe Pfützen springen, richtig nass werden und Kastanien sammeln und damit basteln. Das und vieles mehr gemeinsam zu erleben ließ und lässt auch mich nochmal Kind sein. Kleinigkeiten, die wir Erwachsenen ausblenden und nicht mehr wahrnehmen, werden hochinteressant. Das Eichhörnchen im Baum, das Schneckenhaus auf dem Weg, die unterschiedlich geformten Blätter, die vom Baum fallen. Jeder Stein und Stock ist ein Schatz, der nicht mehr hergegeben werden darf. Jeder Bus, der vorbeifährt ist ein Highlight und jedes "Tatütata" sowieso. Natürlich konnte ich das auch in meinem Beruf mehr ausleben, als andere, aber mit dem eigenen Kind ist es natürlich doch nochmal was anderes. 
Ich liebte es auch so in den Tag hinein zu leben. Wenig Termine haben, aufstehen, wenn das Äffchen ausgeschlafen hat, frühstücken wann es und was uns gepasst hat. Rauszugehen, das Wetter auszunützen. Sich treiben lassen und ganz das Kind bestimmen lassen können, tat gut und hat auch mich sehr entspannt sein lassen. Wir hatten selten Eile, ich musste das Äffchen (so gut wie) nie antreiben, wir hatten so wahnsinnig viel Zeit für alles. Wir konnten eben auch eine Stunde vom Spielplatz nach Hause brauchen und jedes Gänseblümchen bewundern, jedem Hund nachsehen und durch jede Pfütze hundertmal hindurchplatschen. Nichts drängte uns. Wenn das Äffchen sich unwohl fühlte, machten wir einen gemütlichen Tag zu Hause, kuschelten uns ein und verbummelten den Tag und auch die Nacht. Wenn die Nacht anstrengend war, konnten wir es am Tag langsam angehen, erstmal in Gang kommen, vielleicht erst nachmittags einkaufen, statt vormittags wie geplant. Wir bestimmten das Leben komplett selbst. Oder besser gesagt das Äffchen bestimmte unser Leben. Aber nichts sonst. Abends konnte das Äffchen länger aufbleiben, bis der Papa von der Arbeit kam und noch ein Stündchen mit ihm spielen. Egal wann der Mittagsschlaf stattfand, wir konnten alle anderen Aktivitäten drumherum basteln. Das war wirklich schön!

Ihr seht, ich habe die Elternzeit wirklich in vollen Zügen genossen und versucht, jede Minute, jede Sekunde voll auszukosten.

Doch ich merkte auch ab Herbst, dass das Äffchen immer mehr Lust und Drang verspürte unter Leute zu kommen, mit anderen Kindern zu spielen. Natürlich haben auch wir uns regelmäßig mit Freunden und deren Kindern getroffen. Aber das ist ja nicht das Gleiche, wie täglich in der KiTa miteinander zu spielen. Deshalb war es dann im Nachhinein betrachtet super, dass das Äffchen ab November ein KiTa-Kind wurde. Die KiTa-Eingewöhnung  verlief super und auf einmal hatte ich viel Zeit... für mich. Das kannte ich so auch nicht mehr und ich lernte die Stunden am Vormittag lieben und schätzen, in denen das Äffchen in der KiTa war. Auch wenn das selbstbestimmte Leben nun ein stückweit endete, denn in der KiTa muss man natürlich zu einer bestimmten Zeit sein, wenn die Nacht fies war, musste (oder wollte) man trotzdem morgens rechtzeitig aufstehen usw. Aber trotzdem habe ich so auch wieder ein Stück Freiheit gewonnen. Dem Bloggen nachgehen, mal Shoppen gehen, ganz alleine Putzen usw. Auch das tat gut. Natürlich konnte ich das nur so entspannt tun, weil ich wusste, dass das Äffchen unheimlich gerne in die KiTa geht und es für sie kein Problem ist, dort zu sein. 

Tja, und schon war ihr zweiter Geburtstag und wieder Weihnachten. Wir haben ordentlich gefeiert, den ersten Kinder-Äffchen-Geburtstag veranstaltet und Weihnachten zum ersten Mal mehr zelebriert, das Christkind kam und die Geschenke lagen wie von Zauberhand unter dem Baum. Ich freue mich auf nächstes Jahr, wenn das Äffchen das noch besser verstehen kann.

Und nun sitze ich hier, denke an die wundervolle Zeit zurück mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Weinend, weil es vorbei ist und lachend, weil eine neue Ära beginnt - das Leben als berufstätige Fulltime-Mami... 




 

Kommentare:

  1. Die Zeit fliegt... Alles Gute für den Wiedereinstieg ins Berufsleben! Behalte das lachende Auge, denn Du blickst damit ja wirklich auf erfüllte 2 Jahre. Alles Gute, Svenja

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  2. Ich weiss genau was Du meinst und ich geniesse noch heute jede Sekunde von meinem Sohn! Die Zeit vergeht einfach viel zu schnell! Es ist nicht immer einfach, aber wenn ich sehe, was für eine Beziehung ich zu meinem Sohn habe, war nicht alles so falsch! ;oD

    Ich wünsche Dir alles gute in den Wiedereinstig!

    Hab einen schönen Tag!

    xoxo
    Jacqueline

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  3. Hallo toller Beitrag sehr informativ

    lg kathi

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  4. ein richtig mitreißender Bericht von deiner Elternzeit liebe Britta! ich glaube alle (werdenden) Mamis, die sich diese Zeit nur rosig vorstellen haben wohl auch eine rosarote Brille auf ;)
    du hast meinen absolutenn Respect, dass du das alles so gut managed :)

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von www.liebewasist.com

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  5. So schön zu lesen und ja ich weiss genau wies dir geht, bei uns wird Nr.4 im Juli schon 2. Mit jedem Kind scheint die zeit auch noch schneller zu vergehen.

    LG aus Norwegen
    Ina

    www.mitkindimrucksack.de

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  6. Schön, dass du mit deiner Maus ins Aquarium gehst und ihr so die wunderbare Unterwasserwelt zeigst!

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  7. Es fällt schon schwer nach der Elternzeit wieder ins Berufsleben zu gehen. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie sehr ich meine Kinder vermisst habe.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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  8. Ein super interessanter Post! Sowas hab ich noch nie gelesen. Ich finds immer spannend zu sehen, wie es nach der Elternzeit so weitergeht. Ich wünsche dir ganz ganz viel Erfolg für den Einstieg ins Berufsleben!
    Alles Liebe,
    Theresa

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  9. Ich kann dich gut verstehen! Die Zeit verfliegt ... ich sehe das auch erst seit ich meine Kleinen habe. Ich war allerdings nie in Elternzeit und habe bei beiden Kindern sofort gearbeitet ... weil ich meine eigene Firma am Laufen halten wollte. Alles was ich verdient habe, floss in die Kinderbetreuung. Ich wünschte ich hätte die ersten Jahre mit meinen Kindern intensiver nutzen können. Schön dass du dir diese Zeit nehmen konntest und ganz viel Erfolg beim Einstieg ins Berufsleben. Du machst das!

    Liebe Grüße
    Verena von www.avaganza.com

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