Samstag, 9. Dezember 2017

Werte und Vorbilder

Gerade in der Weihnachtszeit mache ich mir wieder besonders Gedanken darüber, welche Werte ich meinem Äffchen vermitteln möchte. Wir sind Christen, deshalb spielen auch christliche und religiöse Werte eine große Rolle für uns. Aber auch davon abgesehen gibt es genug andere Werte, die nicht zwangsläufig damit zusammenhängen, ob man nun an Gott glaubt oder nicht. Es geht einfach darum, sich über Folgendes klar zu werden: Wie soll sich mein Kind später einmal im Umgang mit sich selbst und ihren Mitmenschen verhalten? Wie soll sie mit Tieren und der Umwelt umgehen? 


Diese 4 Werte sind mir da sofort eingefallen:

1. Respekt:


Ich wünsche mir für meine Tochter, dass sie ihren Mitmenschen, aber auch allen Tieren, der Natur, der Umwelt und natürlich auch sich selbst mit Respekt begegnet. Dass sie weiß, jedes Lebewesen hat es verdient zu leben, ist einzigartig und schön. Ihre Freunde, ihre Eltern, ihr Haustier und eben auch sie selbst sind wichtig und haben ihre Berechtigung.


2. Toleranz:


Ich wünsche mir für meine Tochter, dass sie weiß, dass die Herkunft, die Hautfarbe, die Gesellschaftsschicht oder Äußerlichkeiten nichts über den wahren Menschen aussagen. Dass sie ohne Vorurteile auf die Menschen zugeht, egal, ob sie krank oder gesund, dick oder dünn, klein oder groß sind. Egal, ob sie rote oder grüne Haare, blaue oder braune Augen haben, ob sie laufen können oder im Rollstuhl fahren.


3. Hilfsbereitschaft / Nächstenliebe


Ich wünsche mir für meine Tochter, dass sie Anderen hilft, wenn sie Hilfe benötigen, dass sie nicht wegschaut, sondern mit anpackt. Dass sie ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche auch mal hinten anstellen kann, wenn sie jemand anderen damit einen Gefallen tun kann.


4. Hoffnung und Zuversicht


Ich wünsche mir für meine Tochter, dass sie voller Hoffnung und Zuversicht durchs Leben geht, dass sie daran glaubt, dass alles gut wird und sie ihren Teil dazu beitragen kann. Dass sie sich nicht unterkriegen lässt, kämpft und nicht aufgibt, auch wenn das Leben mal schwere Zeiten mit sich bringt. Eine gesunde Portion Optimismus und stets ein halbvolles Glas, das wünsche ich ihr.


Tja, das sind sind große Wünsche! Die große Preisfrage ist jetzt: Wie erreiche ich das? Wie kann ich diese Werte in sie hineinlegen? Und das Zauberwort heißt: VORBILD! 

Ich muss dem Äffchen diese Werte in meinem Alltag, in all meinem Tun und Handeln jeden Tag aufs Neue vorleben. 

Kinder lernen in erster Linie durch Nachahmung. Sie suchen sich Vorbilder. Sie tun und verinnerlichen, was sie bei ihren Bezugspersonen sehen. Das sind natürlich in erster Linie die Eltern, aber auch Großeltern, Geschwister und KiTa-Betreuer können Vorbilder sein. Sie glauben, dass das, was ihre Vorbilder tun richtig ist. 

Puh, da habe ich ja was zu tun! Bin ich wirklich immer so respektvoll? Begegne ich wirklich jedem Menschen mit Respekt oder lästere ich doch ab und zu mit meinem Mann oder einer Freundin über die Nachbarn, weil sie ihre Kinder beispielsweise anders erziehen als ich es evtl. tun würde? Bin ich wirklich so umweltbewusst? Oder steige ich doch auch viel zu oft aus Bequemlichkeit ins Auto, anstatt den Bus oder das Fahrrad zu nehmen? Bin ich wirklich so tierlieb? Oder hört meine Tierliebe bei unliebsamen Insekten und Spinnentieren auf? Kommt da nicht manchmal eher der Killerinstinkt durch? Begegne ich meiner Tochter gegenüber wirklich immer so respektvoll? Oder behandele ich sie doch in manchen Situationen eher von oben herab, anstatt auf Augenhöhe mit ihr zu reden?

Und bin ich wirklich immer so tolerant? Habe ich wirklich keine Vorurteile? Oder rümpfe ich doch auch die Nase, wenn ein unangenehm riechender, ungepflegter Mensch an mir vorbei läuft? Denke ich nicht doch auch mal "Tussi", wenn ich eine Frau mit blondierten Haaren, ultralangen Fingernägeln und viel Make-up sehe? Oder denke ich nicht auch manchmal, "schon wieder am essen", wenn eine Mensch mit viel Körpergewicht einen Döner im Bus verdrückt? BIn ich da wirklich vorurteilsfrei? Schaue ich da wirklich auf das Gute im Menschen? Bin ich wirklich immer bereit, erstmal hinter die Kulissen zu schauen, bevor ich mir ein Urteil erlaube?

Und wie hilfsbereit bin ich wirklich? Gehe ich wirklich mit offenen Augen durch die Welt? Sehe ich immer die alte Dame, die über die Straße geführt werden müsste? Sehe ich immer den alten Herren, der im Bus einen Sitzplatz sucht? Sehe ich immer die andere Mutter, der jemand die Türe aufhalten könnte, damit sie mit dem Kinderwagen gut durchkommt? Und wenn ich es sehe, reagiere ich dann auch wirklich immer? Oder siegen doch manchmal die Gemütlichkeit oder meine eigenen Wehwehchen?

Und wie zuversichtlich und hoffnungsvoll bin ich? Bin ich wirlich immer der Optimist, der ich glaube zu sein? Bin ich wirklich immer so stark und glaube an ein Happy End? Oder versinke ich nicht auch manchmal in Selbstmitleid, Zweifel und Angst? 

Wenn ich mir all diese Fragen stelle, merke ich: In vielen Punkten bin ich schon ganz gut dabei, in anderen muss ich selbst noch an mir arbeiten.

Vorbilder für unsere Kinder zu sein heißt aber meiner Meinung nach auch nicht, dass wir perfekt sein müssen (abgesehen davon, dass wir das nie schaffen würden). Wir sind eben alle nicht frei von Fehlern und manchmal gelingt uns diese Vorbildsache besser, manchmal schlechter. Wichtig ist nur, dass wir unseren Kindern gegenüber echt sind. Dass wir auch mal einen Fehler zugeben können, dass wir uns auch wenn nötig mal bei unseren Kindern entschuldigen. Denn auch das ist Vorbild sein. Und sich immer wieder zu hinterfragen lenkt unsere Aufmerksamkeit evtl. auch nochmal auf die Punkte, bei denen wir uns noch verbessern können. Und sind unsere Kinder nicht der beste Grund, an sich zu arbeiten und ein Stückchen besser zu werden?


Meine eigenen Vorbilder

Und wenn ich schon dabei bin, überlege ich: Wer sind und waren eigentlich meine Vorbilder und was habe ich von Ihnen gelernt? Soweit ich zurückdenken kann, waren immer meine Eltern meine Vorbilder! Sie wissen, was Liebe ist. Denn sie sind nun schon 42 Jahre glücklich verheiratet. So lange eine glückliche Beziehung oder Ehe zu führen geht nur, wenn Respekt, Toleranz und Liebe dabei sind. Sonst ist das nicht möglich. Außerdem haben sie zwei Kinder in Liebe aufgezogen, meinen Bruder und mich. Sie haben jahrelang ihre Bedürfnisse für uns hintenan gestellt. Das ist Liebe, die wahrscheinlich nur Eltern ihren Kindern gegenüber aufbringen können. Trotzdem schaffen das evtl. auch nicht alle Eltern in dem Ausmaß. Meine Eltern haben meinen Bruder und mich immer mit Respekt erzogen. Auch später immer unsere Wünsche respektiert, z.B. wenn es um unsere Zukunft oder Berufswahl ging. Sie trauten uns zu, dass wir für uns entscheiden können, redeten uns nicht rein und unterstützten uns dann wo sie konnten. Für sie war und ist unser Wohl immer das Wichtigste! Sie haben sich Zeit genommen für uns, wann immer es nötig war und auch wenn wir jetzt erwachsen sind, hat das niemals aufgehört. Jetzt noch sind sie Berater, Freunde und Ansprechpartner in allen Lebenslagen. 

Meine Mutter hat ihr Leben uns gewidmet. Sie war immer da, vor dem Kindergarten und nach dem Kindergarten. Nach der Schule erwartete sie uns mit einem leckeren Essen, half uns bei den Hausaufgaben und ein Kuschelplatz auf ihrem Schoß war uns zu jeder Zeit sicher. 

Mein Vater hat mich gelehrt, das Leben leicht zu nehmen. Er strahlt (fast) immer Gelassenheit und Ruhe aus. Er hat ein gewisses Grundvertrauen, dass alles gut wird. Und wenn dem mal nicht so ist, dann kann er es hinnehmen. Wenn es galt zu kämpfen, wurde und wird gekämpft. Denn auch bei meinen Eltern gab es natürlich auch schwere Momente, wie bei allen Menschen. 

Ich bin stolz, solche tollen Eltern zu haben. Sie waren ein tolles Team in Sachen Vorbild. Was der Eine nicht aufbringen konnte, hat der andere übernommen und umgekehrt. Ihr seht also, man muss nicht perfekt sein, aber man kann sich vielleicht auch mit seinem Partner ergänzen. Eins weiß ich jedenfalls: Wenn ich es mit dem Vorbild ansatzweise so hinbekomme wie meine Vorbilder, dann bin ich auf einem guten Weg!

Welche Werte wollt ihr euren Kindern vermitteln und vorleben? Und wer waren eure Vorbilder?



Kommentare:

  1. Ein sehr schöner und tiefgründiger Post. Deine Gedanken zu den Werten, die du deinem Kind vorleben möchtest, finde ich sehr wichtig und auch sehr ausgiebig.
    Oft vergessen die Großen das die Kleinen zu uns aufschauen. Deshalb ist dies ein so wichtiger Beitrag. Vielen Dank.

    Liebe Grüße, Mo

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  2. Ich gebe dir recht - diese Werte sind nicht nur unglaublich wichtig, sondern auch schön <3! Man muss als Erwachsener natürlich immer gut aufpassen dass man all diese Werte auch tatsächlich lebt ... denn sonst bekommen die Kleinen das sofort mit und werden diese Werte dann auch nicht verinnerlichen.

    Schöner Beitrag <3!

    Liebe Grüße
    Verena von www.avaganza.com

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  3. Ein schöner Beitrag. Diese Werte finde ich auch besonders wichtig,
    auch das wir diese weitergeben.
    Liebe Grüße
    Larissa von http://bucherliebe-hoch-zwei.blogspot.de/

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  4. Hallo, ich finde es so schön, dass du dir Gedanken darüber machst, was du deinem Kind für Werte mitgeben möchtest.Ich bekomme leider öfters mit, dass das nicht selbstverständlich ist, Werte zu vermitteln.
    Die vier die du dir ausgesucht hast, finde ich persönlich auch sehr wichtig!

    Danke für den tollen Beitrag!
    Liebe Grüße
    Saskia <3

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  5. Hallöchen,
    was ein toller Beitrag :) Ich finde es schön, dass du versuchst deiner Tochter diese Werte mitzugeben! Und gerade Toleranz finde ich sehr wichtig!

    Liebst Linni
    www.linnisleben.de

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    1. Danke! Ja, gerade in Zeiten der Flüchtlingskrise etc. wird die Toleranz immer wichtiger!

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  6. Werte sind wichtig und das du diese vermitteln möchtest, finde ich wirklich toll von dir.

    Liebste Grüße,
    Sandra.

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  7. Wunderbarer Beitrag und so wichtig. Vor allem aber finde ich toll, dass du dir selbst Gedanken machst ob du selbst alles machst was du deiner Tochter wünscht.

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  8. 4 wichtige Punkte, die man den Kleinen nicht früh genug näherbringend kann.

    Alles Liebe,
    Verena
    whoismocca.com

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  9. Ein wirklich toller Beitrag und die vier Punkte sind wahnsinnig wichtig wie ich finde. Man kann es einen Kindern nicht früh genug beibringen.

    Liebe Grüße
    Saskia
    Saskia

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