Montag, 18. Dezember 2017

Kinderschlaf - Meine Tipps für mehr Gelassenheit

Eigentlich wollte ich das Thema Baby- und Kinderschlaf hier nicht aufgreifen. Aber eine Begegnung im Bettenfachgeschäft und ein Gespräch mit einer anderen Kita–Mutter lassen mir nun doch keine andere Wahl…





Zur Vorgeschichte:

Unser Äffchen war noch nie eine besonders gute Schläferin. Sie braucht nicht so viel Schlaf wie manch andere Kinder. Manchmal tut sie sich schwer mit dem Einschlafen, am Liebsten auf Mamas oder Papas Arm und mit weißem Rauschen. Durchschlafen ist auch nicht so ihr Ding, sie wacht öfters auf und kann nicht wieder alleine einschlafen, braucht viel Nähe und Körperkontakt und zieht daher abends oder spätestens nachts ins Elternbett um. Immer wieder haben wir in der Vergangenheit versucht, das Äffchen nachts in ihrem Bett zum Weiterschlafen zu bewegen. Keine Chance... 

Weil es aber in der bisherigen Form für uns mit dem Familienbett nicht mehr klappt – zu wenig Platz – und wir sowieso ein neues Bett kaufen wollten, haben wir uns aufgrund der momentanen Schlafsituation für ein „richtiges“ Familienbett entschieden.


Wie muss man sich das vorstellen?

Die Maße dieses Familienbettes sind 270 × 200 cm, d.h. es passen drei Lattenroste und Matratzen a 90x200 cm in das Bettgestell. So hat jeder eine eigene Matratze und wir alle haben ganz viel Platz! Später, wenn das Äffchen dann doch irgendwann ausgezogen ist (aus dem Schlafzimmer natürlich) ist das Bett zurückbaubar in 180 × 200 cm großes Doppelbett.

Das Bett haben wir also im Internet bestellt, Lattenroste und Matratzen wollten wir in einem Bettenfachgeschäft kaufen. Also ließen wir uns am Samstag in einem solchen umfassend und kompetent beraten. Als gegen Ende des Beratungs- und Kaufgesprächs rauskam, dass wir ein Familienbett bestellen, in das die Lattenroste und Matratzen eingelegt werden sollen, ernteten wir schon den ersten erstaunten Blick. Ich erklärte geduldig den Sinn und Zweck eines Familienbettes und erwähnte auch, dass es eben später zum Doppelbett umgebaut werden könne, wenn das Kind im eigenen Zimmer schläft. Da antwortete die Verkäuferin sichtlich verdutzt: „Aber wie lange ihre Tochter in ihrem Bett mitschläft haben sie doch selbst in der Hand!“ Ich erwiderte darauf nichts mehr, denn ich wollte mit der Dame keine Grundsatzdiskussion über Baby– und Kinderschlaf führen.

Ist das so, dass wir das selbst in der Hand haben?

Natürlich könnte ich auf Biegen und Brechen mit viel nächtlichem Ärger und Frust das noch nicht dazu bereite Äffchen stündlich wieder in ihr eigenes Bett verfrachten. Aber dabei würde ich Äffchens offensichtliches Bedürfnis nach Nähe und Körperkontakt ignorieren und vom eigenen daraus entstehenden Schlafdefizit möchte ich gar nicht erst anfangen. Und warum sollte ich mein Äffchen damit so übergehen? Weil es in den westlichen Ländern gesellschaftlich verschrien ist, das Kind im Elternbett schlafen zu lassen? Oder weil es hier „normal“ ist, dass Kinder mit sechs Monaten durchschlafen und spätestens mit einem Jahr das Elternschlafzimmer verlassen müssen? Oder etwa wegen der allgemeinen Befürchtung, das Kind sonst nie mehr aus dem eigenen Bett zu kriegen?

Nein, genau von diesen (sinnfreien) gesellschaftlichen Konventionen und "Empfehlungen" von selbsternannten Erziehungsexperten mache ich mich nun mit dem Kauf eines Familienbettes frei. In anderen Ländern und Kulturen haben die Menschen viel mehr verstanden, was ein Baby/Kind braucht. Dort ist es normal, dass Kinder 5-6 Jahre bei den Eltern schlafen. Da läuft alles über Körperkontakt (Tragen, Co-Sleeping etc.) Und da wurde ganz ohne Lehrbücher erkannt, dass Kinder erst frühestens mit 3-4 Jahren die nötige Gehirnreife entwickeln, alleine schlafen zu können. Mir ist klar, dass es auch viele Kinder gibt, die sehr bald alleine ein – und durchschlafen. Aber es gibt eben genauso viele andere Kinder, die dazu (noch) nicht in der Lage sind.

Letzte Woche ergab sich ein Gespräch mit einer anderen Kita – Mutter beim abholen. Wir kamen auf das Thema Schlaf zu sprechen und sie erzählte, dass ihr Sohn kein guter Schläfer wäre und sagte dann Folgendes: „Aber wir haben ihm natürlich auch alle möglichen doofen Sachen angewöhnt: Einschlafstillen, rumtragen etc. Wir sind selber schuld...!“

Sind wir wirklich selber schuld? 

Erstens: Meiner Meinung nach sind das keine schlechten Angewohnheiten. Das sind ganz natürliche Einschlafhilfen, die es uns und dem Baby/Kind leichter machen. Sie haben auch nichts mit einem überzogenen Verwöhnprogramm zu tun. Ich habe das Äffchen 13 Monate in den Schlaf gestillt und ob man es glaubt oder nicht: Sie ist nicht wach, seit ich damit aufgehört habe. Sie schlief danach noch eine Weile mit Flasche ein und seit Langem jetzt auch ohne alles.

Zweitens: Niemand ist „schuld“ am Schlafverhalten des Kindes!!! Lasst euch das nicht einreden! Es gibt eben Kinder, die schlafen besser und es gibt welche, die schlafen schlechter. Genauso wie bei uns Erwachsenen. Und das habt nicht ihr ausgelöst mit Einschlafstillen o.Ä. 

Deshalb gibt es heute keine Tipps für besseren Schlaf (ich habe viele Ratgeber dazu gelesen und bei uns hat kein einziger Tipp geholfen), sondern hier kommen meine Tipps für mehr Gelassenheit:

  1. Nimm es, wie es kommt!
Dein Kind tut sich schwer beim Ein- und/oder Durchschlafen? Es möchte nicht alleine schlafen? Dann verschwende deine Energie nicht mit Ratgebern und vergeblichen und erfolglosen Versuchen, daran etwas zu ändern.

  1. Arrangiere dich mit der Situation!
Mach das beste draus und es euch so leicht wie möglich. Lass das Kind im Familienbett oder zumindest im Elternschlafzimmer schlafen, wenn es das braucht. Bringe das Kind so in den Schlaf wie es am besten funktioniert. So haben alle Beteiligten weniger Frust und doch mehr Schlaf, da du nicht 100 mal aufstehen und ins andere Zimmer rennen musst.

  1. Was nicht passt wird passend gemacht!
Du möchtest das Familienbett praktizieren, aber es ist zu eng? Kauft oder baut euch eine Schlaflandschaft. Es gibt im Netz inzwischen auch ganz tolle Bauideen für riesige Betten und für den kleinen Geldbeutel. Oder tüftelt so lange rum, bis ihr für euch die beste Lösung gefunden habt. Es kann auch eine Schlafmöglichkeit im Kinderzimmer für ein Elternteil aufgebaut werden oder oder oder. Seid kreativ und macht es euch so gut geht.

  1. Vertrau‘ deinem Kind!
Von solchen Aussagen „Die kriegst du nie mehr aus dem Bett raus!“ halte ich gar nichts! Ich vertraue meinem Kind, dass es irgendwann in der Lage sein wird alleine (oder eventuell später mit einem Geschwisterkind zusammen) schlafen kann. Und dann wird sie es auch signalisieren. Wenn man sie lässt und sie nicht von außen dazu gebracht werden es zu verlernen, dann spüren und merken Kinder selbst, wann sie zu etwas bereit sind. Lassen wir Ihnen die Zeit, die sie brauchen, denn es kommt alles zu seiner Zeit.


Ich habe selbst fast zwei Jahre gebraucht, um das endgültig so zu akzeptieren aber jetzt geht es mir damit viel besser. Und auch das Äffchen scheint es zu spüren, denn die Nächte werden langsam besser.

Kommentare:

  1. Guten Abend.
    Ein ganz toller Artikel. Kann das was du schreibst nur unterstreichen. Man sollte sich da keinen Stress machen und auf sein Bauchgefühl hören.

    Liebste Grüße,
    Sandra.

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  2. super Tipps, auch wenn ich keine Kinder hab ... werde ich mal an meiner Schwester weitergeben!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von www.liebewasist.com

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  3. Ich bin echt froh, dass meine Tochter so eine tolle Schläferin war. Aber das ging von ihr aus, ich habe da mal grad gar nichts gemacht. Von daher ist das der goldrichtige Tipp finde ich, "Nimm es wie es kommt" und stell Dich drauf ein. Was anderes kann man eh nicht machen. Ist quasi so ein "Gib mir die Gelassenheit Dinge so hinzunehmen die ich nicht ändern kann". Schlaf ist völlig individuell und ja, schade. da müssen wir uns als Eltern leider drauf einlassen.

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    1. Ja, wichtig ist ja auch nochmal zu betonen, dass Kinder nicht gut oder schlecht schlafen, um uns zu gefallen oder zu ärgern, sondern weil sie es schlicht nicht besser können! Das ist auch leider in vielen Köpfen noch nicht angekommen.

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  4. Tolle Tipps! Ich kann zwar beim Thema Kinder noch nicht mitreden, allerdings glaube ich, dass Gelassenheit jeder von uns wieder mehr lernen sollte :)
    LG Veronika

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    1. Du hast Recht, Gelassenheit ist in allen Lebenslagen hilfreich!

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  5. Ich sehe das ganz entspannt. Bei meiner Tochter hat es schnell geklappt dass sie alleine schläft und mein Kleiner (5) kommt noch immer regelmäßig zu uns ins Bett. Und ich genieße es, weil ich weiß dass es irgendwann vorbei sein wird und er lieber alleine schlafen möchte. Was andere davon halten war mir in diesem Fall schon immer egal. Es muss für uns und unsere Kinder passen - ich verstehe dich also sehr gut :-)!

    Liebe Grüße
    Verena von www.avaganza.com

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    1. Ja, Hauptsache wir sind damit glücklich, da hast du Recht!

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  6. Ein wirklich schöner Beitrag. Meine Kinder haben immer gut in ihren Betten geschlafen. Aber morgens durften sie immer zum kuscheln ins Elternbett. Das fand ich auch wirklich schön.

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  7. Gute Tipps. Meine Tochter hat zum Glück immer gut in ihrem Bett geschlafen.

    Lieben Gruß
    Jessica

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  8. Danke für Deinen Beitrag. Vielleicht bringt das etwas Sicherheit für andere Eltern. Meine Kids sind ja schon größer, was ich mir für nen Käse anhören musste! Jeder soll selbst entscheiden, ob er sich Stress machen will, ob er seinem Bauchgefühl folgt und wie es am Besten dann läuft. Kein Weg ist falsch! Und... genießt es! Sie werden unglaublich schnell groß, und mal ganz ehrlich! Egal, was alle anderen sagen: spätestens wenn sie in der Pubertät sind, schlafen sie nicht mehr im Familienbett, bzw. in Eurem Arm ein!

    LG, Bea.

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    1. Ich denke auch, sie wird uns signalisieren wenn sie alleine schlafen kann und möchte.

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  9. Ich kann dir hier nur zustimmen. Meine Kleine ist bereits 5 und schläft immer noch bei uns im Bett (jede Nacht. Unser Bett ist auch ihr Bett!). Das macht alles viel entspannter und ich bekomme sofort mit wenn was ist. Wenn sie Alpträume hat, oder auf die Toilette muss. Ich kann immer sofort reagieren.

    Bald wird sie aber wohl in ihr eigenes Zimmer ziehen. Ich habe es bereits mit ihr besprochen und sie scheint sich nun auch darauf zu freuen. Jetzt heißt es nur noch das Zimmer dafür etwas umgestalten und dann muss ich als Mama lernen das ein Abkapselungsprozess eben sein muss. ;)

    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Ja, auch für uns Mamas ist es eine Entwöhnung...

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  10. Ich hab noch keine Kinder aber so ein dreifach Bett würde ich ohne Kinder auch gern haben :)

    LG Danie

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    1. Ich bin auch nicht sicher ob wir es umbauen werden, wenn das Äffchen mal in ihr Zimmer umsiedelt...

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  11. Hallöchen,
    das ist ja ein toller Beitrag. Ich habe zwar noch keine Kinder, aber danke für die Tipps!

    Liebst Linni
    www.linnisleben.de

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    1. Gerne! Vielleicht erinnerst du dich daran, wenn es mal soweit ist!

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  12. So so so so viele wahre Worte! Ich sehe das ganz genauso wie du. Als kleines Kind habe ich auch recht lange bei meiner Mutter im Bett geschlafen und ich fand es immer super schön. Ich würde das meinen eignen Kindern nicht vorenthalten wollen :-)

    xx Ann-Vivien
    von www.annvivien.blog

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