Donnerstag, 2. November 2017

KiTa-Eingewöhnung nach dem Berliner Modell - Do's and Dont's für Eltern

Heute ist der zweite Tag der KiTa-Eingewöhnung meines Äffchens. Die Eingewöhnung in Äffchens KiTa wird nach dem "Berliner Eingewöhnungsmodell" durchgeführt, welches sich auch in den meisten anderen KiTa's als sinnvolle Methode der Eingewöhnung etabliert hat. Als Grundlage für das Modellkonzept dient die Bindungstheorie von John Bowlby

Es geht also darum, die Bindung von Mutter oder Vater (je nachdem, welches Elternteil die Eingewöhnung des Kindes mit begleitet) zu beachten und die Eingewöhnung dementsprechend zu gestalten. Das Kind soll langsam und in der Sicherheit der Anwesenheit des Elternteils Vertrauen zur neuen Betreuungsperson aufbauen. Die Eingewöhnungsmethode, das Kind am ersten KiTa-Tag einfach abzugeben und nach 5 Stunden wieder abzuholen wird zum Glück heutzutage (meines Wissens nach) nicht mehr praktiziert. 

Das "Berliner Eingewöhnungsmodell" sieht 3 Phasen der Eingewöhnung vor. Die Grundphase, die Stabilisierungs- und Trennungsphase und die Schlussphase. 

In der Grundphase, für welche in der Regel 3 Tage veranschlagt werden, begleitet ein Elternteil das Kind und bleibt die gesamte Dauer des Aufenthaltes (in der Grundphase normalerweise 1-2 Stunden) dabei. Der oder die ErzieherIn nimmt behutsam Kontakt zum Kind auf, in dem es dem Kind beim Spiel zusieht, sich ins Spiel einbindet. Er oder sie drängt sich aber nicht auf. Im Idealfall geht das Kind früher oder später auch selbst auf die Betreuungsperson zu. Das Elternteil hält sich im Hintergrund auf, gibt dem Kind aber die Sicherheit, du bist nicht allein.

Wenn der oder die ErzieherIn in der Grundphase den Grundstein für ein Vertrauensverhältnis legen konnte, geht die Eingewöhnung am vierten Tag in die Stabilisierungs- und Trennungsphase über. In dieser Phase soll das Vertrauen zur Betreuungsperson und somit zur neuen Bezugsperson gefestigt werden, indem diese mit dem Kind spielt, dem Kind hilft (z.B. beim Schuhe an- und ausziehen, beim Essen etc.). Das Kind sammelt positive Erlebnisse und Erfahrungen mit der Bezugsperson und fasst Vertrauen. Es ist nun auch Zeit für den ersten Trennungsversuch (ca. 10-30 Minuten). Anhand der Reaktion des Kindes auf die Trennung von dem Elternteil, wird die Dauer der Trennung und auch der gesamten Stabilisierungs- und Trennungsphase festgelegt. Fällt es dem Kind leichter, sich zu trennen oder lässt sich zumindest innerhalb weniger Minuten von der Betreuungsperson beruhigen, kann diese Phase etwas kürzer, also ca. 6-8 Tage dauern. Weint das Kind sehr und lässt sich nicht auf die Beruhigungsversuche des Erziehers/ der Erzieherin ein, werden für diese Phase ca. 2-3 Wochen eingeplant. Das Kind braucht dann mehr Zeit um Vertrauen zu fassen und die Dauer der Trennungen sollte langsamer gesteigert werden. In dieser Phase verweilt das Elternteil weiterhin in der KiTa, aber natürlich in einem extra Raum oder geht nur für einen kleinen Spaziergang raus. Falls die Trennung doch einmal früher abgebrochen werden muss, kann das Elternteil so innerhalb weniger Minuten zum Kind zurück kommen.

Ist diese Phase abgeschlossen und das Kind akzeptiert die Trennung von dem Elternteil und die/den ErzieherIn als neue Bezugsperson, geht es weiter mit der Schlussphase. Jetzt hat das Kind die Betreuungsperson als Bezugsperson akzeptiert, auch wenn es evtl. bei der Trennung manchmal noch etwas traurig werden kann. Es lässt sich dann aber schnell trösten. In dieser Zeit muss das Elternteil nicht mehr in der KiTa bleiben, sollte aber noch auf Abruf bereit sein, um trotzdem schnell da sein zu können, falls nötig. 

Laut "Berliner Eingewöhnungsmodell" dauert die Eingewöhnung also maximal 4 Wochen, nur in Ausnahmefällen kann diese länger dauern.

 
 
Die KiTa-Eingewöhnung ist also eine gemeinsamer Weg, den das Elternteil und das Kind gemeinsam, am Besten Hand in Hand beschreiten. Damit ihr wisst, wie das am Besten klappen kann, habe ich jetzt noch ein paar Erziehertipps, wie du dich als Elternteil in der Eingewöhnung verhalten solltest. Meine 4 Eingewöhnungs-Do's and Dont's für Eltern. Diese schreibe ich in erster Linie für mich selbst, aber ihr habt da evtl auch was davon 😏.


Don't Nr. 1

Bitte übertrage evtl. Unsicherheiten und Ängste nicht auf dein Kind. Klar, viele Elternteile, oft die Mütter (ich spreche da aus eigener Erfahrung) sehen dem KiTa-Start auch mit Skepsis und Sorge gegenüber. Aber Kinder spüren das sofort und denken: "Mama hat Angst vor der KiTa oder der Trennung, dann kann das ja nicht gut für mich sein" und werden dadurch sofort selbst verunsichert. Also:

Do Nr. 1

Versuche positiv an die Sache ran zu gehen, vertraue auf Dich, Dein Kind und auf die ErzieherInnen. Auch wenn das Mutterherz noch ängstlich ist, die ErzieherInnen wissen was sie tun und haben jede Menge Erfahrung damit. Sei stark für dein Kind, nur wenn Du taff bleibst, kann es auch Dein Kind sein. Wenn du das Gefühl hast, du bist dafür zu emotional und schaffst das nicht, dann überlegt euch in der Familie, ob es nicht mehr Sinn macht, wenn dein/e Partner/in die Eingewöhnung übernimmt.


Don't Nr. 2

Bei den ersten Trennungsversuchen einfach rausschleichen, anstatt sich richtig zu verabschieden, kann große Verwirrung, Verunsicherung und auch Ängste beim dem Kind hervorrufen. Zwar ist das Kind in dem Moment vielleicht abgelenkt und die Versuchung ist groß, einen Abschied und damit evtl. Tränen zu vermeiden. Aber irgendwann wird das Kind merken, dass Du weg bist und sich verlassen fühlen. Also:

Do Nr. 2

Verabschiede dich bei JEDER Trennung von deinem Kind. Sage ihm, was Du in der Zwischenzeit tust, z.B. Einkaufen, lesen, spazieren gehen etc. und versichere ihm, dass Du auf jeden Fall wiederkommen wirst. Hilfreich ist es auch, sich immer auf die gleiche Weise zu verabschieden, eine Art Abschiedsritual einzuführen. Z.B. eine Umarmung, ein Kuss, die gleiche Wortwahl etc. Evtl. ergibt sich das auch von ganz allein. Ich hatte mal eine Mutter bei der Eingewöhnung, die gab dem Kuscheltier des Kindes zum ersten Abschied ein Küsschen ohne groß darüber nachzudenken. Ab dem Tag ließ das Kind die Mutter nicht gehen, bevor das Kuscheltier nicht sein Küsschen bekam. Zwar wird das Kind dann evtl. auch traurig und weint beim Abschied, aber es hat die Trennung bewusst wahrgenommen und die Mutter ist nicht einfach im Nichts verschwunden.


Dont Nr. 3

Eifersüchtig werden auf die neue Bezugsperson des Kindes ist absolut nicht hilfreich. Natürlich ist es evtl. nicht so leicht, zuzusehen, wie das Kind anfängt sich abzunabeln, selbständiger zu werden und eine andere Person als weitere Bezugsperson zu akzeptieren. Schließlich warst bisher vermutlich Du Bezugsperson Nr. 1 für Dein Kind und es ist manchmal eine große Erkenntnis, dass das Kind Dich plötzlich nicht mehr so braucht wie früher. Aber Dein Kind soll nicht das Gefühl bekommen, es müsse sich für jemanden entscheiden und nimmt Deine negativen Gefühle gegenüber des Erziehers oder der Erzieherin deutlich wahr. Also:

Do Nr. 3

Freue Dich einfach, dass die Abnabelung so gut funktioniert und Dein Kind die Eingewöhnung gut verkraftet. Denn es wird Dich auch in Zukunft noch oft genug brauchen. Du bist und bleibst DIE Bezugsperson Deines Kindes und diesen Titel macht auch ein Erzieher/ eine Erzieherin dir nicht streitig. 



Dont Nr. 4

Wenn die Trennungen länger werden und ihr evtl. sogar schon in der Schlussphase angekommen seid, hänge in Gedanken nicht ausschließlich Deinem Kind und der KiTa-Situation hinterher. Auch wenn das Kind evtl. beim Abschied geweint hat ist es meistens so: Das Kind beruhigt sich nach wenigen Augenblicken und hat einen wunderschönen Tag in der KiTa. Die Mutter oder der Vater aber haben nur das weinende Kind im Sinn und bekommen ja nicht mit, dass der Kummer oft schnell vergessen ist. Und sollte dem mal nicht so sein, dann melden sich die Erzieher sicher bei Dir. Also:

Do Nr. 4 

Genieße Deine freie Zeit, tu etwas für dich, zu dem Du mit Kind immer nicht kommst. Was du schon lange mal wieder machen wolltest oder erledige wichtige Angelegenheiten, die du bisher immer aufgeschoben hast. Lenke Dich ab, Deinem Kind geht es gut! Und Dir schadet ein bisschen Ruhe vor einem möglichen Wiederbeginn des Arbeitslebens (womit eine KiTa-Eingewöhnung oft aber nicht immer einhergeht) auch nicht! 

Ich hoffe, es sind ein paar brauchbare Tipps für Euch dabei und wünsche euch eine erfolgreiche Eingewöhnung!

Kommentare:

  1. "Bei den ersten Trennungsversuchen einfach rausschleichen...." Ich wundere mich immer wieder, dass Eltern auf diese Idee kommen. Toller Text und schön, dass es zu jedem don´t ein entsprechendes do gibt :-)

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  2. Vielen Dank! Ja, man wundert sich manchmal, aber auch für die Eltern sind das oft Ausnahmesituationen, da kommt man manchmal auf die verrücktesten Ideen :)

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  3. Hallo. Unsere Kinder waren da ganz unkompliziert. Wir haben die einzelnen Phasen an einem Tag durchgemacht. Von Beginn an waren wir Eltern Luft sobald das Kind die Kita betrat. Ab dem zweiten Tag waren die Kids allein in der Gruppe und wir haben dann nur die Zeit schrittweise angepasst. Nach spätestens 2 Wochen waren beide Kinder dann bei unserer angemeldeten Zeit angekommen. Unsere Kinder gehen übriges Vollzeit (9h) in die Kita.

    LG Bianca

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    1. Oha, da hattet ihr aber Glück! Obwohl ich sagen muss, dass mein Äffchen das auch ganz toll macht, aber so schnell wie bei euch geht es dann doch nicht...

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  4. ein super spannender Beitrag! als nicht Mutter hatte ich ja keine Ahnung bisher, dass es auch verschiedene Modelle zum Eingewöhnen gibt!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von www.liebewasist.com

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  5. Die Kindergartenzeit ist bei uns schon lange vorbei. Zum Glück hatten meine Kinder keine großen Probleme, sich einzugewöhnen, was die Sache auch mir erleichtert hat.

    Alles Liebe
    Freya

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  6. Generell kann ich nichts negatives über die Methode sagen, ich finde es nur schade, dass sie so von den Kindergärten offensichtlich verallgemeinert wird indem wirklich jedes Kind so die Eingewöhnungsphase durchlaufen muss. Ich habe mir jedoch von einer Freundin sagen lassen, dass nicht unbedingt jedes Kind hierfür geeignet ist und es wirklich Kinder gibt, die mit dem "Augen zu und durch" viel besser klarkommen. So z.B. auch der Sohn einer Freundin.
    Bei mir ist es schon zu lange her, meine Tochter ist jetzt 15, aber auch sie musste aufgrund der Tatsache, dass ich alleinerziehend war und schon früh wieder arbeiten gehen musste, bei einer Tagesmutter im halben Jahr bis zum Kindergarten. Ich konnte sie daher ohne Probleme in ihre neue Gruppe geben, bin noch etwa 30 Minuten dort geblieben und gut war. Bereits am nächsten Tag konnte ich sie hinbringen, kurz verabschieden und schon war sie in ihrer Gruppe verschwunden, ganz ohne Probleme.

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  7. gute ratschläge für eltern, die die gleiche phase auch mal durchmachen müssen. ich selbst kann da leider nicht mitreden, da ich keine kinder habe ;)
    glg karolina von kardiaserena.at

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  8. Wir haben die Eingewöhnung auch nach diesem Modell gemacht und bei uns hat es super geklappt. Ehrlich gesagt war dieses langsame Herantasten für mich etwas schwierig für mich und es hätte ruhig ein wenig schneller gehen können ;-) ... aber ich denke langfristig hat es sich gelohnt.

    Liebe Grüße
    Verena von www.avaganza.com

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