Sonntag, 1. Oktober 2017

Von Geschenken und (Ernte-)Dank

Heute ist Erntedank-Tag und für mich mal wieder Anlass zum Nachdenken und reflektieren.

Natürlich bin ich von Herzen dankbar für alles, was ich habe... Natürlich? Ist das wirklich so? Oder betrachte ich vieles irgendwie doch als selbstverständlich?

Denke ich in unserer westlichen Welt, wo der Supermarkt voller Lebensmittel nur ein paar Straßen weiter auf mich wartet, darüber nach, dass dies ein Geschenk ist? Dass ein solcher Supermarkt für viele Menschen in armen Ländern einem Schlaraffenland gleichkommt? Nur zugreifen und satt werden. Nie mehr wissen, was Hungern bedeutet. Weiß ich ein gutes Essen oder einen besonderen Schluck erlesenen Tees wirklich noch zu schätzen? Oder bin ich von unserer Konsumgesellschaft schon abgestumpft?

Weiß ich, wie kostbar Gesundheit ist? Welch hohes Gut? Dass es nicht selbstverständlich ist, reden, hören, sehen und laufen zu können? Dass so manch kranker Mensch alles dafür geben würde, einmal einen Herbstspaziergang durchs bunte Laub zu machen, weil es für ihn ein Ding der Unmöglichkeit ist? Erkenne ich dieses Geschenk als Solches an? Oder merke ich erst, was Gesundheit bedeutet, wenn ich krank werde?

Ist mir immer klar, welch ein Schatz meine Familie ist? Immer geliebt und umsorgt zu sein, niemals einsam sein zu müssen und immer jemanden zu haben, den ich lieben und umsorgen kann? Dass ich eine wunderbare Tochter haben kann? Sehe ich die Zeit mit ihr immer als Geschenk an? Oder bin ich nur schnell genervt, wenn sie Spielsachen durch das Zimmer wirft oder beim Wickeln rumzappelt? Ist SIE selbstverständlich? Viele Paare, die lange auf ein Kind warten mussten, oder es immer noch tun, wissen, dass dies keinesfalls so ist. 

Weiß ich es zu schätzen, einen lieben Ehemann zur Seite zu haben, der mich stützt, trägt, liebt und mit mir das Leben mit allen Höhen und Tiefen bestreitet? Oder rege ich mich nur über ihn auf, weil der Müll nicht rausgetragen oder die Glühbirne in der Küche immernoch nicht ausgewechselt wurde?

Bei der Beantwortung meiner eigenen Fragen kam ich zu dem Schluss, dass es leider schon oft so ist, dass ich viel zu viel Zeit damit verbringe, zu überlegen, was ich NICHT habe oder vielleicht gerne hätte: Die neuen sündhaftteuren Schuhe, ein Ankleidezimmer oder einen Luxusurlaub. Und dabei gerne mal vergesse, dankbar zu sein für alle Geschenke, die mir gemacht wurden und täglich werden.

Es ist wichtig - gerade in dieser schnelllebigen Zeit - sich auf das Wesentliche zu besinnen. Denn Luxus fängt schon bei Gesundheit, Familie und einem vollen Magen an und nicht erst bei der Goldkette, der Designertasche oder der Traumvilla.

Deshalb war ich jetzt mit meinem Liebsten noch ein bisschen spazieren (das Äffchen spielte in der Zwischenzeit fröhlich mit Oma und Opa) und erfreute mich an der wunderschönen Herbstsonne! 

Das Leben ist schön! Danke!

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