Montag, 23. Oktober 2017

Und große Kinder spielen doch

Neulich am Spielplatz hat das Äffchen mit einer ganzen Rasselbande großer Jungs gespielt. Es waren fünf oder sechs im Alter von circa sieben Jahren. O. k., sie hat vielleicht nicht MIT ihnen gespielt aber zumindest direkt NEBEN ihnen. Das kleine in den Boden eingelassene Trampolin war das Spielgerät, dass die großen Jungs und mein kleines Äffchen verband.Sie kann zwar noch nicht so gut springen, aber sie mag es gern, wenn es unter ihren Schritten nachfedert oder andere Kinder mithüpfen. Dann schaukelt das Trampolin auch sie schön herum. Je wilder, desto besser! Da kamen ihr die großen Jungs natürlich gerade recht. Beherzt sprangen sie ins Trampolin, Ihnen war das Äffchen egal. Sie passten gut auf, dass sie sie nicht umrannten oder umhüpften, aber ansonsten wurde sie von den Jungs nicht groß beachtet.

Sie waren vertieft. Vertieft in ihr wildes Spiel – fangen, weglaufen, verstecken. Eine Weile sah ich fasziniert zu. Und auf einmal war ich zutiefst beruhigt.

In meinen schwärzesten Fantasien habe ich mir nämlich schon folgendes Szenario ausgemalt: 

Das Äffchen (inzwischen ein Schulkind in der ersten Klasse, also circa sieben Jahre alt) kommt nach dem Unterricht nach Hause, schmeißt genervt und mit etwas zu viel Schwung den Schulranzen in die Ecke und steuert direkt auf ihr Zimmer zu. Als sie an mir vorbeikommen ich ein knappes hallo, dann ist sie verschwunden und tauchten Rest des Tages nicht mehr auf. Sie hat keine Zeit, muss das nächste Level ihres Handyspieles schaffen, mit ihren Freunden chatten und eben immer erreichbar sein. Draußen spielen, sich mit Freunden treffen, Puppen Zöpfe Flechten und malen gibt es in dieser virtuellen Kindheit nicht mehr. Miteinander geredet wird via WhatsApp und alles spielt sich vor dem Handy oder Computer ab.

Das waren meine Befürchtungen… Diese Jungs aber haben mir gezeigt, dass ich mir ein Horrorszenario ausgemalt habe und (Grundschul-) Kinder doch noch draußen rumtoben, spielen, miteinander lachen, streiten und sich vertragen können.

Ich bin so erleichtert und heilfroh über diese Erkenntnis. Mir ist klar, dass ich die Kindheit meiner Tochter nicht mehr mit meiner Eigenen vergleichen kann und dass die Medien, das Internet, Smartphones und Computer eben heutzutage zum Leben und auch zum Heranwachsen unserer Kinder dazu gehören. Mir ist auch klar, dass diese Dinge interessanter werden, je älter das Äffchen wird. Ich hoffe nur dass ich dann in der Lage bin, meinem Kind einen verantwortungsvollen und – bewussten Umgang damit beizubringen. Und mir ist auch klar geworden, dass ich hier auch ein Vorbild sein kann und muss. Damit fange ich spätestens jetzt an und lasse das Handy in Äffchens Wachphasen öfter stumm.

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