Dienstag, 12. September 2017

"Verwöhnprogramm"

Warum ist der Begriff "Verwöhnen" in der Kindererziehung eigentlich so negativ behaftet? Warum werden Kinder, die wissen, was sie wollen und dies auch (lautstark) kundtun, als "verwöhnte Fratzen" bezeichnet? Und Erwachsene, die das Gleiche tun bewundert?

Ist es nicht eher toll, dass sie ihren eigenen Willen haben und diesen auch durchsetzen möchten? Macht ein "Verwöhnprogramm" mit viel Liebe, Nähe, Geborgenheit und Bedürfnisbefriedigung wirklich kleine Tyrannen aus unseren Babies und Kindern? Oder vielleicht doch eher starke, selbstbewusste und selbständige Persönchen, neugierige und tollkühne Entdecker?


Macht man sie dadurch zum Chef im Haus, der uns Mamas herumkommandiert und alle nach seiner Pfeife tanzen lässt? Oder lernen wir dadurch nicht einfach frühzeitig, die Zeichen, Wünsche und Bedürfnisse unseres Kindes zu erkennen und darauf einzugehen?

Laut der letzten selbsternannten Erziehungsexpertin, der ich begegnete, sind Kinder, deren Bedürfnisse immer befriedigt werden, die Unglücklichsten. Ich weiß nicht, wo sie diese Erkenntnis her hatte und wie sie sie gewonnen hat. Ich weiß nur, dass ich das in keinster Weise unterschreiben kann. Ich spüre, welch tiefe Bindung zwischen mir und dem Äffchen besteht WEIL ich ihre Bedürfnisse von Anfang an ernst nahm, ihr IMMER gezeigt habe:"Ich bin da" und sie niemals mit sich und ihrem Hunger, Durst, ihrer Angst oder ihrem Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit allein gelassen habe.

Stellen wir uns mal vor, in der Beziehung eines Liebespaares ginge es so zu, wie es uns oft im Umgang mit dem eigenen Kind empfohlen wird. Nicht zu viele Kuscheleinheiten; nachts MUSS jeder im eigenen Zimmer schlafen; wenn der/die Partner/in sich sonntags sein Lieblingsessen wünscht, sagen wir nur: "Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!"; Wenn er/sie weint oder traurig ist, sagen wir: "Stell' dich nicht so an!" und lassen ihn/sie alleine. Wäre das eine glückliche Beziehung? Könnte da eine tiefe Bindung entstehen? Nein, ich glaube nicht! Auch eine Liebesbeziehung lebt von Liebe (wie das Wort schon sagt), Vertrauen, kleinen Aufmerksamkeiten und der Gewissheit, dass man immer füreinander da ist. 

Ist unser Verhältnis zum Kind denn nicht auch eine Art "Liebesbeziehung"? Ich finde schon, deshalb ist es meines Erachtens nach auch alles andere als falsch, sich auch so zu verhalten.

Ich gebe meinem Äffchen alle Liebe, Geborgenheit, Trost und Begleitung durchs Leben, die sie braucht. Ganz bestimmt tue ich damit nicht nur ihr einen Gefallen. In ein paar Jahren werde ich sehen, dass die enge Bindung Früchte trägt und mein Kind kommt sicherlich auch dann noch zu mir, weint sich aus, fragt um Rat, wenn sie erwachsen ist. Und ich bin dann nicht mehr nur Mutter, sondern auch Freundin 💛!

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