Dienstag, 22. August 2017

Selbsternannte "Erziehungsexperten" oder Zurück zum Mutterinstinkt




„Man fängt mit 4 Monaten an mit der Beikost und stillt mit 6 Monaten ab!“

„Was? Du stillst noch? Dein Kind ist doch schon ein Jahr alt!“

„Kinder gehören abends um 20 Uhr ins Bett!“

„Wie bitte? Dein Kind schläft mit euch im Ehebett? Das kriegst du da nie wieder raus!“

„Gewöhne dem Kind doch endlich mal den Schnuller ab. Dann hast du zwar drei Tage Geschrei, aber danach ist das Thema gegessen!“

„Du verwöhnst dein Kind viel zu sehr!“

„Lass das Kind doch mal schreien, das stärkt die Lungen!“

„Ab einem Jahr müssten Kinder eigentlich durchschlafen!“



Kennt ihr das auch? Als junge Mutter bekomme ich oft ungefragt viele „wertvolle Tipps“ von einer Menge selbsternannter Erziehungsexperten. Eltern, Großeltern, Freunde, Erzieher (ja, einige Sätze hätten früher auch von mir stammen können…) und gerne auch völlig Fremde auf der Straße wissen genau, wie MEIN Kind zu erziehen ist.


In etlichen Ratgebern zum Thema Schlaf, Beikost, Trotzphase etc. kann man sich heutzutage Theorien von Ärzten und Wissenschaftlern anlesen. 


Klar, als Erst-Mama bin ich auch oft unsicher und habe wegen des „interessanten“ Schlafverhaltens meines Äffchens auch gefühlt 20 Ratgeber zu diesem Thema verschlungen. Das Ende vom Lied war, dass keiner dazu führte, dass mein Kind durchschläft… Weil es noch nicht durchschlafen KANN! Es braucht Nähe, Liebe, Etwas zu trinken, manchmal sogar Etwas zu essen mitten in der Nacht. Und wenn mal sonst nichts ist, dann bekommt sie Zähne.


Wenn ich davon erzähle bekomme ich oft als Antwort: „Du verwöhnst dein Kind. Sie tanzt dir auf der Nase herum. Lass sie mal schreien, dann lernt sie schon durchzuschlafen!“


Never ever!!! Außerdem: Verwöhnen? Super! Wer wird nicht gerne verwöhnt? Eine wohltuende Massage im Spa, ein leckeres Essen im Restaurant, ein kleiner Blumenstrauß zwischendurch… Wir lieben es doch auch. Leider ist der Begriff „Verwöhnen“ heutzutage, besonders in der Kindererziehung, sehr negativ behaftet. Ich werde jedenfalls mein Leben lang nicht aufhören, meinem Äffchen etwas Gutes zu tun. Und ich sehe nicht ein, warum ich deshalb eine schlechte Mutter sein soll.


Ich habe gemerkt, dass es am meisten Sinn macht, auf das mütterliche Bauchgefühl zu hören. Ja, dem Mutterinstinkt zu folgen, welcher uns leider durch „Supernanny“ und Co abtrainiert wird.


D.h. nicht, dass es falsch ist, sich Hilfe zu holen oder um Rat zu fragen (schließlich sind wir Erzieher auch manchmal sehr nützlich in dieser Hinsicht 😊). Aber wir sollten grundsätzlich wieder mehr lernen, auf uns und unsere Fähigkeiten als Mütter zu vertrauen!!! Wir werden nie alles richtig machen (wenn es ein Richtig oder Falsch in diesem Zusammenhang überhaupt gibt…). Jede Mutter soll es eben einfach so machen, wie es sich für sie und ihr Kind gut und richtig anfühlt. 


Wenn das Kind also 2-3 Jahre gestillt wird, „erst“ um 22 Uhr ins Bett geht, im Elternbett selig schlummert, am Liebsten erst die Wurst und dann das Brot ist, seinen Schnuller liebt, nur durch Kuscheln und Tragen einschläft oder was auch immer…

Wenn es allen Beteiligten damit gut geht – so what?

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Hiermit beteilige ich mich an der Blogparade Best of Elternblogs von Kellerbande

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